Als Quereinsteiger zum Immobilienmakler

Als Quereinsteiger zum Immobilienmakler

In wohl kaum einem anderen Beruf gibt es so viele Quereinsteiger, wie in dem des Immobilienmaklers. Grund ist vor allem die niedrige Einstiegsbarriere. Man benötigt einen PC und ein Smartphone mit Internetzugang, Visitenkarten, die Gewerbeerlaubnis nach §34c GewO, muss ein Gewerbe anmelden und schon kann es los gehen. Das lockt viele schwarze Schafe an, die dem guten Ruf des Immobilienmaklers nicht unbedingt förderlich sind. Sie sehen das schnelle und vermeintlich leicht verdiente Geld und haben nicht den Anspruch, dem Kunden eine qualitativ hochwertige Beratung zu bieten. Aber kommt man langfristig damit durch? Und ist der Quereinstieg wirklich so leicht?

Ich selbst habe meine ersten Berufserfahrungen im Backoffice eines kleinen Maklerbüros gesammelt. Trotz kaufmännischem Studium war ich branchenfremd und konnte so aus einer recht komfortablem Position heraus beobachten, ob die Immobilienbranche etwas für mich ist. Es folgten eine Trainee-Stelle im Bereich der Immobilienfinanzierung und anschließend der Schritt in die Selbstständigkeit als Immobilienberaterin. Berufsbegleitend habe ich viele Seminare besucht und ein Fernstudium zur Immobilienvermittlerin (IHK) abgeschlossen.

Grundsätzlich benötigt jeder, der als Immobilienmakler arbeiten möchte, eine Erlaubnis nach §34c der Gewerbeordnung. Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber davon ausgeht, dass in diesem Tätigkeitsfeld ein besonderes Vertrauen notwendig ist. Zum einen, weil es bei Immobilien und Finanzen um sensible Themen geht, zum anderen weil zahlreiche damit verbundene rechtliche Bestimmungen eingehalten werden müssen. Für die Beantragung der Gewerbeerlaubnis nach § 34c GewO müssen daher insbesondere die persönliche Zuverlässigkeit und geordnete Vermögensverhältnisse nachgewiesen werden.

Um als Makler tätig zu werden, kommt man nicht umher, sich eine gewisse Fachkompetenz anzueignen. Kenntnisse in Miet- und Vertragsrecht sowie in der Immobilienbewertung und -finanzierung sind genauso wichtig wie die Fähigkeit ein Grundbuch oder einen Kaufvertrag lesen und verstehen zu können. Die IHK sowie verschiedene Institute bieten dazu Lehrgänge und Zertifikate an. Bei der Wahl sollte man allerdings vorsichtig sein: Versprechen, in wenigen Tagen eine umfangreiche Ausbildung zu genießen sind genauso unseriös wie zweitägige Lehrgänge für mehrere Tausend Euro.

Basis für eine langfristig erfolgreiche Tätigkeit als Immobilienmakler ist außerdem eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung. Allein in den vergangen Monaten gab es zahlreiche Gesetzesänderungen: die Pflicht zur Erstellung eines Energieausweises, das Widerrufsrecht bei Abschluss eines Vertrages (wozu auch der Maklervertrag zählt!) und die Umsetzung der EU-Richtlinie zu Wohnimmobilien-Krediten sind nur einige davon. Wer da nicht auf dem Laufenden bleibt, hat schnell mit unzufriedene Kunden, Provisionsverlust oder sogar einer Klage zu kämpfen. Doch auch einem gut ausgebildeten Makler können Fehler passieren. Zu seinem eigenen Schutz und zu dem seiner Kunden empfiehlt sich daher der Abschluss einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung.

Ein Immobilienmakler muss außerdem den Markt vor Ort kennen: Welche Lagen sind bevorzugt, welche Immobilien sind derzeit zu welchen Preisen im Angebot und welche anderen Makler sind vor Ort erfolgreich? Wer in seiner Heimatstadt tätig werden möchte und den Immobilienmarkt bereits gut kennt, hat an dieser Stelle einen gewissen Heimvorteil und steht einem ausgebildeten Immobilienmakler vermutlich in nichts nach.

Neben all den formellen Voraussetzungen und den fachlichen Anforderungen benötigt ein Immobilienmakler vor allem ein hohes Maß an Sozialkompetenz. Man sollte gerne mit Menschen zu tun haben, offen und kommunikativ sein und gut verhandeln und vermitteln können. Ein gutes Netzwerk ist gerade in der Immobilienbranche im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Mit dem Briefträger, der Friseurin und der netten Frau beim Bäcker hin und wieder ein paar Worte zu Wechseln ist nicht nur ein netter Zeitvertreib: Sie sprechen jeden Tag mit vielen Menschen und wissen genau wer wann warum sein Haus verkaufen möchte. Auch Sportvereine sind eine wunderbare Art Kontakte zu knüpfen und den ein oder anderen Tipp zu bekommen.

Quereinsteigern sollte bewusst sein, dass der Beruf des Immobilienmaklers ein hohes Maß an Eigeninitiative, Disziplin, Dienstleitstungsbereitschaft und Feingefühl voraussetzt. Wer diese Eigenschaften mitbringt und bereit ist, sich das entsprechende Fachwissen anzueignen, kann auch als Quereinsteiger die Tätigkeit des Maklers mit viel Freude und Erfolg ausüben.

Danica